hinter dem schweigen
warten viele horizonte
die nicht die deinen sind
mach dich auf den weg
wenn deine stimme befreit ist
vom gestern und dem tag
und mehr ist als nur
stille in neuer gestalt
und ein jeder
sich zu erkennen gibt
als das was er wirklich ist
dein eigen
aber ein anderer auch
gespinste | von
silenced am 25. Feb, 20:00
herr albin dachte nach, und zwar über die nutzlosigkeit. denn herr albin selbst war, davon musste seit längerem schon ausgegangen werden, doch ganz und gar nutzlos. denn er war weder mittel noch zweck noch objekt irgendwelcher begierden. das blinde, taube und stets heiter voranpreschende leben, warum hatte es sich gerade in ihm einmal mehr rücksichts-, ziel- und gnadenlos ausgeprägt? welche groteske triebfeder mochte es überhaupt und insgeheim sein, die da tagaus tagein unzählige neu sich gestaltende formen in die welt schleuderte? allein der sachliche, soziale und menschliche aufwand den es jeweils zu betreiben galt, bis aus der mehr oder weniger biologischen existenz eine soziale wurde, bis tapfer und mit gutem gewissen davon gesprochen werden konnte, ein nützliches glied der gesellschaft herangeformt zu haben, funktionierend und hoffentlich mit nur wenigen abweichungen, gebrechen und hinderungen versehen, kaum auszumalen. und doch war es nur allzu oft ein verlustgeschäft. ja, mutter natur übte sich in kollosaler verschwendung, das war so sicher wie der himmel und die sterne. herr albin jedenfalls, er war eine durch und durch nutzlose existenz, das war ihm einst klar geworden bei seinen nächtlichen rechnereien, und sein nichterscheinen auf der bühne würde keine dramatische krise heraufbeschworen, keine leerstelle erzeugt, keinerlei verwirrung beim restlichen ensemble hinterlassen haben. eine existenz, nutzlos und seiner bescheidenen, aber doch philosophisch grundierten auffassung nach für keinen rechten nutzen mehr taugend. man lebte ja nicht mehr in kriegerischen zeiten, dem himmel sei dank. somit konnte herr albin daher auch nicht wirklich herhalten als material fürs große menschenschlachten, ruhmversprechend und gesellschaftlich angesehen. jedenfalls war auch der vermeintliche praktische wert seiner, dem der eine oder andere seiner mitmenschen aus gutmütiger betroffenheit heraus herrn albin bei passender gelegenheit gesprächsweise näherzubringen versuchte, aufs entschiedenste zu vernachlässigen. natürlich war widerspruch nie ausgeblieben, hatte herr albin versuchsweise seine these eigener nutzlosigkeit bereitwillig und wortreich exemplifiziert. meist lief es ja doch auf naive kausalitäts- oder schlimmer mitleidsargumente hinaus, im sinne von: wenn nicht a dann auch nicht b, alles hinge ja doch irgendwie zusammen, ja niemand könne sich da einfach so herausrechnen, man sei doch wichtig auch wenn man es nicht sähe, solche gedanken seien überhaupt eine sünde, man dürfe doch nicht einfach und so fort. betroffene, harmlose und allzu menschliche anteilnahmen wurden in anschlag gebracht, ganz zu schweigen vom hinweis auf zu leistende steuern und abgaben. das ficht herrn albin alles nicht an, obwohl es ihn peinlich berührte. zu widerlegen gab es hier ja seit längerem nichts mehr. wenn es nach herrn albin gegangen wäre, so hätte die welt recht gut ohne ihn gekonnt. punktum. und sein ersehntes nichtsein war durchaus fundamental und philosophisch gedacht von ihm. denn man merke: herrn albin war es nicht um eliminierung allein zu tun, sondern um gänzliche, vollkommene und ungeteilte, vorderhand per se unaussprechliche nichtung. so dachte herr albin, und er seufzte.
der menschlichen existenz besteht darin dass es absolute freiheit strenggenommen nur im tode geben kann. alles andere ist nur mehr oder weniger gelungene, mit anderen worten asymptotische annäherung an das sich allüberall so freigebig prostituierende ideal. somit ist der suizid wirklich der akt der höchsten freiheit oder deren freisetzung. das problem beginnt bei der frage wieviel freiheit du überhaupt willst, wieviel du dir erlauben und bezahlen kannst, wieviel dich zufrieden- und ruhigstellt.
viva la muerte | von
silenced am 21. Feb, 21:05
träume totgeboren
leben unerfüllt
tränen unverloren
sehnsucht eingehüllt
seelen üppig verschwendet
armes trauriges spiel
wünsche elend verendet
leben sich wenig gefiel
sinn irrt sich durch welt und zeit
kein orakel verspricht
sei ohne sorge doch bereit
dies spiel gewinnst du nicht
gespinste | von
silenced am 20. Feb, 19:55
wünsche verschlungen
in lichten traumbildern
dazwischen eine welt im zwielicht
existenz heruntergebrochen
verdichtet auf den kern und maskenlos
reines phantom des innersten
nur substanz und ganz grund
dein weg
nur schwach sich anklammernd
an das was bleibt
dein wort
es achtet nur noch sich selbst
und ist sich jetzt genug
williger selbstbetrug
stumm, das weißt du, und
wenn das letzte quantum hoffung stirbt
das phantasma der realität
sich deiner stimme beugt
bist du überwältigt
und frei
gespinste | von
silenced am 19. Feb, 20:10
so der heutige mp3count meiner musikdatenbank. irgendwie seltsam, eine beruhigend wirkende zahl überwunden. obwohl ich mangels analoger statistiken nicht wirklich einschätzen kann, welche kategorie diese ziffer markiert. durchschnittssammlung, exzeptionelle kollektion, akustischgewordener wahnsinn? jedenfalls, alle genres sind vorhanden, musik jeglicher stimmungs-, wert- und preislage, für jede tages- und nachtzeit, für alles und jeden und keinen und den rest, einige wenige hörbücher dazu und -spiele, weitere rara und kuriosa. musiksucht, konstante meines lebens, digital genährt. radiorecordings, tauschtapes, plattenläden. napster, audiogalaxy, kazaa, soulseek, edk2, torrent. unzählige stunden verbracht und -gnügt mit rippen, suchen, taggen, cutten. nicht zuletzt und man höre - auch mit hören. zuhause zu jeglicher zeit falls möglich und wenn nicht mit lektüren kollidierend, unterwegs per player, am arbeitsplatz privilegiert. einzig wirkliches sedativum. vieles nur einmal gehört, vieles noch gar nicht, vieles viel zu oft. sollte der freigebige datenfluss einmal autoritär gestoppt werden, musikalische ressourcen für die nächsten äonen wären angesammelt. eine angst allerdings. wenn du stirbst hört auch die musik auf. vielleicht.
stripped | von
silenced am 18. Feb, 18:15
chemisch oder physisch oder kombiniert nach kunstregeln teil- oder totallobotomiert wäre ich sicherlich ein sehr viel nützlicheres element dieser gesellschaft. nützlicher, ergiebiger - und glücklicher. traurig, vermutlich träfe das auf viel zu viele zu. evolutionäre verschwendung im biologischen, großhirn als gesamttumor, gedanke als virus, gefühl als parasit. ein darübernachdenken gäbe sicherlich zu denken. ergo sinnbegriffe überdenken. marschroute: besänftigen betäuben deaktivieren. vorerst vielleicht und dann vielleicht final.
stripped | von
silenced am 17. Feb, 21:32
ergreife mich und tanz mit mir
wir tanzen den letzten tanz
noch einmal gib mir dein lachen
dein lachen es macht mich ganz
komm halt mich fest und weine mit mir
dann weine ich heut nicht allein
und einmal singe noch deinen gesang
dein lied es soll trost mir sein
bereite die nacht und träume mit mir
wir träumen den letzten traum
und wollen die welt still vergessen
die welt wir vermissen sie kaum
auch uns wird niemand vermissen
und lass mich nicht weinen um dich
bin doch dem tage endlich entrissen
drum weine auch du nicht um mich
gespinste | von
silenced am 16. Feb, 19:28