herr albin und die nutzlosigkeit

herr albin dachte nach, und zwar über die nutzlosigkeit. denn herr albin selbst war, davon musste seit längerem schon ausgegangen werden, doch ganz und gar nutzlos. denn er war weder mittel noch zweck noch objekt irgendwelcher begierden. das blinde, taube und stets heiter voranpreschende leben, warum hatte es sich gerade in ihm einmal mehr rücksichts-, ziel- und gnadenlos ausgeprägt? welche groteske triebfeder mochte es überhaupt und insgeheim sein, die da tagaus tagein unzählige neu sich gestaltende formen in die welt schleuderte? allein der sachliche, soziale und menschliche aufwand den es jeweils zu betreiben galt, bis aus der mehr oder weniger biologischen existenz eine soziale wurde, bis tapfer und mit gutem gewissen davon gesprochen werden konnte, ein nützliches glied der gesellschaft herangeformt zu haben, funktionierend und hoffentlich mit nur wenigen abweichungen, gebrechen und hinderungen versehen, kaum auszumalen. und doch war es nur allzu oft ein verlustgeschäft. ja, mutter natur übte sich in kollosaler verschwendung, das war so sicher wie der himmel und die sterne. herr albin jedenfalls, er war eine durch und durch nutzlose existenz, das war ihm einst klar geworden bei seinen nächtlichen rechnereien, und sein nichterscheinen auf der bühne würde keine dramatische krise heraufbeschworen, keine leerstelle erzeugt, keinerlei verwirrung beim restlichen ensemble hinterlassen haben. eine existenz, nutzlos und seiner bescheidenen, aber doch philosophisch grundierten auffassung nach für keinen rechten nutzen mehr taugend. man lebte ja nicht mehr in kriegerischen zeiten, dem himmel sei dank. somit konnte herr albin daher auch nicht wirklich herhalten als material fürs große menschenschlachten, ruhmversprechend und gesellschaftlich angesehen. jedenfalls war auch der vermeintliche praktische wert seiner, dem der eine oder andere seiner mitmenschen aus gutmütiger betroffenheit heraus herrn albin bei passender gelegenheit gesprächsweise näherzubringen versuchte, aufs entschiedenste zu vernachlässigen. natürlich war widerspruch nie ausgeblieben, hatte herr albin versuchsweise seine these eigener nutzlosigkeit bereitwillig und wortreich exemplifiziert. meist lief es ja doch auf naive kausalitäts- oder schlimmer mitleidsargumente hinaus, im sinne von: wenn nicht a dann auch nicht b, alles hinge ja doch irgendwie zusammen, ja niemand könne sich da einfach so herausrechnen, man sei doch wichtig auch wenn man es nicht sähe, solche gedanken seien überhaupt eine sünde, man dürfe doch nicht einfach und so fort. betroffene, harmlose und allzu menschliche anteilnahmen wurden in anschlag gebracht, ganz zu schweigen vom hinweis auf zu leistende steuern und abgaben. das ficht herrn albin alles nicht an, obwohl es ihn peinlich berührte. zu widerlegen gab es hier ja seit längerem nichts mehr. wenn es nach herrn albin gegangen wäre, so hätte die welt recht gut ohne ihn gekonnt. punktum. und sein ersehntes nichtsein war durchaus fundamental und philosophisch gedacht von ihm. denn man merke: herrn albin war es nicht um eliminierung allein zu tun, sondern um gänzliche, vollkommene und ungeteilte, vorderhand per se unaussprechliche nichtung. so dachte herr albin, und er seufzte.

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